Beitrag vom: 30. März 2017

Amazons „Hybrid“ aus Videothek und Pay-TV

Wie die Fachpresse in der vergangenen Woche berichtet, erweitert Amazon Prime Video seine Plattform und öffnet diese für TV-Inhalte von Free-TV-Sendern, Pay TV-Sendern und Produzenten. Letztere könnten dann ihre Filme und Serien direkt über Amazon anbieten und distribuieren, ohne den Umweg über die TV-Sender gehen zu müssen. Bislang ist das vor allem den Amazon Eigenproduktionen vorbehalten. In den USA gibt es dieses hybride Angebot bereits. Bereits Anfang Juni könnte es hierzulande verfügbar sein.

Wie in den USA würde Amazon vermutlich auch in Deutschland verschiedene Themenpakete anbieten, die voraussichtlich einzeln buchbar wären (u.a. Entertainment, Learn & Discover, Kids & Family, Sports etc.). Auch über ein Live-Angebot von Sportinhalten, wie der Fußball-Bundesliga, wird spekuliert. Erste Gespräche zwischen Sky und Amazon haben hierzu scheinbar bereits stattgefunden.

Mit der erweiterten Streaming-Plattform bietet der Online-Händler seinen Kunden eine weitere kundenfreundliche Leistung an. Diese verweilen wieder etwas mehr im Amazon Ökosystem, was letztendlich das Ziel des Konzerns ist – absolute Kundenbindung.

Das neue Angebot könnte allerdings auch den Werbemarkt durcheinander wirbeln. Zum einen wird die Streaming-Plattform den TV-Sendern wieder mehr Aufmerksamkeit und Verweildauer entziehen. Der Kunde hat künftig bequem die Möglichkeit, seine Lieblingsserien auf einer Plattform und zu jeder Zeit konsumieren zu können, ohne permanent zwischen den unterschiedlichen Video-on-Demand-Lösungen, Mediatheken oder TV-Sendern wechseln zu müssen.
Zum anderen wird Amazon Video auch als Werbeumfeld für Werbetreibende immer attraktiver. Es wird vermutet, dass mit dem erweiterten Video-Angebot auch die Werbemöglichkeiten ergänzt werden. Werbeblöcke wie im TV wird es wahrscheinlich nicht geben – einzelne, personalisierte Spots vor einem Video auf der Grundlage der Nutzerdaten sind jedoch wahrscheinlicher.

Noch hält sich Amazon größtenteils bedeckt bei diesem Vorhaben. Der avisierte Zeitplan und der Erfolg in den USA lassen jedoch mutmaßen, dass eine Einführung in Deutschland nicht lange auf sich warten lassen wird.