Beitrag vom: 21. September 2017

JOM analysiert den Wahlkampf-Endspurt im Netz

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Bundestagswahl 2017 und die Wahlkampf-Maschinerie läuft auf Hochtouren. Auch online? Wie in den Monaten zuvor, haben die Experten der JOM die Aktivitäten der politischen Parteien im Bundestagswahlkampf für das Werbefachmagazin HORIZONT auch im August (pdf-Download)  sowie in den ersten beiden September-Wochen (pdf-Download) genauer betrachtet und analysiert.

Welche Partei wird im Netz am häufigsten gesucht?

  • Das Nachfrage-Hoch der AfD kennt kein Ende. Im Vergleich zu den anderen Parteien hat sich das Interesse an der Partei in den ersten beiden September-Wochen noch einmal deutlich erhöht.
  • Höhepunkt war der spontane Abgang der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel in der ZDF-Wahlsendung „Wie geht’s Deutschland?“.
  • Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich das TV-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz, das auf vier TV-Kanälen live übertragen wurde. An diesem Tag konnten sich die CDU und die SPD ein wenig der AfD-Nachfrage annähern, wenn auch nicht komplett.

 

Wer wird dem Suchinteresse nach der nächste Bundeskanzler/die nächste Bundeskanzlerin?

  • Im Kanzlerkandidaten-Vergleich hat Martin Schulz in den ersten beiden September-Wochen etwas aufgeholt und robbt sich an die Bundeskanzlerin heran.
  • Wäre die Nachfrage bei Google ein Indiz für die Wahl, hätte Martin Schulz jedoch keine Chance gegen Angela Merkel. Am Ende der beiden September-Wochen geht die Nachfrage nach beiden Personen wieder deutlich auseinander: Merkel steigend, Schulz fallend.

 

Spielt Suchmaschinenmarketing eine Rolle?

  • Wie im August ist die SPD prinzipiell die einzige Partei, die in ihrem Marketing-Mix auf Google Adwords setzt. Rund 18% des Website-Traffics kommt mittlerweile über diesen Kanal – eine Ausnahmeerscheinung unter den Parteien.
  • Ansonsten sind die Jungliberalen, die Grünen und die AfD bei wenigen Keywords und auf niedrigem Niveau aktiv.
  • Auffällig ist der aggressive Wahlkampf der AfD. Beim Keyword „CDU“ wirbt die AfD für die Anfang September online gegangene Website „Merkel, die Eidbrecherin“ und ist der einzig bietende auf das Keyword. Von Seiten der CDU wurde hier nicht gegengesteuert.  Die Seite hat allein in den ersten beiden Wochen rund 100.000 Visits generiert, davon knapp 3% über bezahlte Kanäle.

 

Was ist auf den Websites der Parteien los?

  • Das Interesse an den Online-Präsenzen der Parteien ist ununterbrochen: Bereits in den ersten beiden September-Wochen wurden die Websites insgesamt 20% mehr besucht als im kompletten Vormonat.
  • Vor allem die SPD legt wieder kräftig zu. In der täglichen Betrachtung der Visits sind die Sozialdemokraten stets Spitzenreiter.

 

Und Facebook und Twitter?

  • Je näher der Wahltag, desto höher wird das Engagement der Facebook-Fans der Parteien. Das wird an den Raten, aber auch an den absoluten Zahlen der Reaktionen deutlich. Diese sind am 16.09. bereits so hoch wie im gesamten Monat August.
  • Auch die Posting-Frequenz der Parteien nimmt im Vergleich zum Vormonat zu, besonders bei der CDU.
  • Im Vergleich zum April 2017 ist die Zahl der Fans bei der FDP um über 73% gestiegen – ein absoluter Spitzenwert.
  • Ein etwas verdrehtes Bild bei Twitter: Die SPD scheint die „Massen-Strategie“ der AfD übernommen zu haben. Über den Twitter-Account der Sozialdemokraten wurde im September bislang durchschnittlich 88 Tweets pro Tag abgesetzt.
  • Nach wie vor hat die AfD über Twitter im Parteien-Vergleich die geringste Reichweite. Jedoch ist das Engagement der AfD-Follower am höchsten. Wie bei Facebook kann hier keine der etablierten Parteien mithalten.

 

Unser Fazit:

  • Im September legen die Parteien vor allem über die Social Media-Kanäle noch einmal richtig zu. Perspektivisch sind das die Kanäle mit der höchsten Relevanz für künftige Wahlkämpfe. Die Parteien nutzen die Interaktionsmöglichkeiten mit den potenziellen Wählern, allen voran die AfD.
  • Die AfD macht es vielen Parteien vor und mobilisiert vor allem über Facebook seine Anhänger. In jedem der Wahlkampfmonate waren die Engagement- und Interaktionswerte der AfD im Parteienvergleich am höchsten.
  • Mit dem Portal „Merkel, die Eidbrecherin“ bekommt der Wahlkampf eine neue aggressive Dimension, die von der AfD zudem noch werblich gepusht wird.
  • Die klassischen Online-Kanäle wie Suchmaschinenmarketing oder Display-Marketing spielen im Bundestagswahlkampf 2017 kaum eine Rolle. Die SPD ist die Partei, die den Marketing-Mix am breitesten ausgelegt hat. Nach aktuellen Umfragen scheint dies jedoch der Partei wenig genutzt zu haben.
  • Henning Ehlert, Managing Director JOM Group, zum Endspurt im Bundestagswahlkampf: „Mit dem AfD-Portal „Merkel, die Eidbrecherin“ erreicht der Online-Wahlkampf die nächste aggressive Stufe, die von der AfD auch noch werblich gepusht wird. Die CDU schaut hier scheinbar nur zu.“