Beitrag vom: 13. Dezember 2013

Die Risiken und Nebenwirkungen der Media-Deals

Deutschland gilt zwar als Land der Dichter und Denker, doch ein Gründerland ist es wahrlich nicht. Andere Standorte, allen voran das Silicon Valley in den USA, bieten jungen Unternehmensgründern weitaus attraktivere Rahmenbedingungen, als wir sie hierzulande vorfinden. Um als deutsches Startup in unserer schnelllebigen globalisierten Zeit mithalten und wachsen zu können, stellt sich immer wieder die Frage nach der Finanzierung. Rund 70% der deutschen Startups bezeichnen die Akquise von Venture Capital laut dem DEUTSCHER STARTUP MONITOR 2013 als äußerst schwierig. Wer freut sich da nicht über die Aufmerksamkeit oder gar einen Anruf finanzkräftiger Inkubatoren, wie die Samwer-Brüder. Doch nicht nur Business Angel, Venture Capitalists oder Inkubatoren haben das Geschäft der Startups für sich entdeckt – auch TV Sendergruppen wie der ProSiebenSat.1-Konzern mit seiner Tochtergesellschaft SevenVentures (mittlerweile 70 Partnerschaften), N24 (GMPVC German Media Pool) und jetzt auch die RTL-Gruppe, die vor kurzem eine eigene Unit beim hausinternen Vermarkter IP Deutschland gründete, investieren verstärkt in Unternehmen mit massentauglichen Produkten.

Besonders die jungen E-Commerce-Marken liegen den TV-Konzernen am Herzen. Die Geburtsstunde der Beteiligungsmodelle wie „Media for Revenue“ (Minimumgarantie + Umsatzbeteiligung) oder „Media für Equity“ (Minimumgarantie + Unternehmensbeteiligung) schlug 2009 mit den beeindruckenden Erfolgen von SevenVentures durch die Beteiligungen an Zalando oder Trivago. Es hat sich gezeigt und bewährt, dass sich digitale Marken über den Hebel TV sehr gut aufbauen lassen. Die Start-Ups profitieren dabei von den günstigen, reichweitenstarken Medialeistungen. Durch die Nutzung mobiler Endgeräte als „Second Screen“ kann im E-Commerce ein sofortiger Abverkauf stattfinden. Für die Sendergruppen ist daher das Modell „Media für Revenue“ ein besonders lukratives Geschäft, da es weniger risikoreich ist und durch die Umsatzbeteiligung schnell Profit abwerfen kann.

Doch aus mehreren Blickwinkeln betrachtet, sind diese Deals durchaus kritisch zu sehen und finden in der Werbewirtschaft nicht nur Anhänger.

So wittern bereits seit Jahren Werbekunden der TV-Sender eine Wettbewerbsverzerrung und eine Schieflage des Preisgefüges. Zwar sollen die TV-Spots der Jung-Unternehmen „nur“ Füllmaterial für nicht ausgebuchte Werbeblöcke sein. Allerdings ist es dann durchaus bemerkenswert, dass Beteiligungen der ProSiebenSat.1-Gruppe, wie an dem Schmuck-Onlineshop „Valmano“, zur besten Prime-Time in den Werbeblöcken so präsent sind. Durch diese „künstliche“ Verknappung der Werbeplätze ist die Hinterfragung des Preisgefüges durchaus berechtigt. Auch die Skepsis der regulär zahlenden Kunden aufgrund einer möglichen Benachteiligung ist daher nachvollziehbar.

Trotz einer hohen Abhängigkeit und der Risiken werden diese Beteiligungsmodelle auch künftig Begehrlichkeiten bei den Jung-Unternehmern wecken. Neben der ProSiebenSat.1-Gruppe und der RTL-Gruppe werden sich auch weitere Privatsender wie RTL II um die Gunst der Startups bemühen. Gerade wegen des Erfolges von Zalando werden die Sender ihre Anstrengungen, sich an jungen Unternehmen mit Potenzial zu beteiligen, zukünftig intensivieren.