ChatGPT Ads starten in Deutschland: Was Werbetreibende jetzt wissen sollten
Mit dem Start von ChatGPT Ads in Deutschland öffnet sich für Werbetreibende ein neuer Zugang zu potenziellen Kund:innen in der Recherche und Entscheidungsphase. Der Kanal bringt dabei eine eigene Logik mit, die sich deutlich von etablierten Ansätzen in Search und Social unterscheidet. Für Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, welches Potenzial ChatGPT Ads für die eigene Kommunikation und Mediaplanung bieten.
Seit dem 24. August sind ChatGPT Ads auch in Deutschland verfügbar. Nach dem Start des US-Piloten im Februar 2026 hat OpenAI sein Werbeangebot damit auf zahlreiche europäische Märkte ausgeweitet.
Jetzt folgt der nächste wichtige Schritt: Seit Anfang September steht Werbetreibenden und Agenturen in Deutschland auch der Self-Service über den OpenAI Ads Manager zur Verfügung. Kampagnen können damit direkt eingerichtet, gesteuert und ausgewertet werden.¹
Damit entsteht ein neuer Werbekanal in einem Umfeld, das sich von klassischer Suche und Social Media unterscheidet: Menschen nutzen ChatGPT häufig, um sich zu informieren, Anforderungen zu formulieren, Alternativen zu vergleichen und Entscheidungen vorzubereiten. Genau in diesen Situationen können Anzeigen erscheinen.¹
Wie funktionieren ChatGPT Ads?
Anzeigen werden unterhalb der ChatGPT-Antwort ausgespielt und klar als gesponsert gekennzeichnet. Wichtig dabei: Das Werbesystem ist von den Antworten von ChatGPT getrennt. Werbung beeinflusst die Antworten nicht und Werbetreibende erhalten keinen Zugriff auf Chats, Chatverläufe, Erinnerungen oder personenbezogene Daten der Nutzer.²
Die Besonderheit liegt vor allem in der Aussteuerung. Anders als bei klassischer Suchmaschinenwerbung steht nicht das einzelne Keyword im Mittelpunkt. Das Anzeigensystem berücksichtigt unter anderem Kontext und Absicht der aktuellen Unterhaltung, die Landingpage, Titel und Text der Anzeige sowie die vom Werbetreibenden vorgenommenen Targeting-Einstellungen.²
Auf Ebene der Anzeigengruppen können Werbetreibende zudem sogenannte Context Hints hinterlegen. Sie beschreiben, für welche Bedürfnisse und Situationen ein Produkt relevant sein kann. OpenAI empfiehlt beispielsweise statt eines allgemeinen Hinweises wie „Laufschuhe“ eine konkretere Beschreibung wie „gedämpfte Laufschuhe für Einsteiger, die für ihren ersten 5-km-Lauf trainieren“. Die tatsächliche Formulierung des Nutzers muss damit nicht übereinstimmen. Context Hints sind ausdrücklich keine Exact-Match-Keywords und garantieren keine Ausspielung bei einem bestimmten Prompt.³
Vereinfacht lässt sich der Unterschied so beschreiben:
Search fragt: „Wonach sucht jemand?“
Social fragt: „Wer könnte sich dafür interessieren?“
ChatGPT Ads ergänzt: „In welcher Bedürfnis- oder Entscheidungssituation befindet sich jemand gerade?“
Neben dieser kontextuellen Logik gibt es inzwischen auch bekannte Media-Steuerungsmöglichkeiten. Kampagnen können geografisch und nach Plattform ausgerichtet werden. Eigene Kunden- oder Interessentenlisten lassen sich als Custom Audiences ein- oder ausschließen; auf Anzeigengruppenebene sind zudem Gebotsanpassungen für diese Audiences möglich. Als Kampagnenziele stehen derzeit CPM, CPC und conversion-optimierter CPC (oCPC) zur Verfügung.⁴ ⁵
Über den Ads Manager können Werbetreibende und ihre Agenturen diese Einstellungen nun selbst vornehmen, Kampagnen aufsetzen und deren Entwicklung auswerten. Damit wird der Einstieg in ChatGPT Ads deutlich einfacher und Tests lassen sich flexibler aufsetzen.
Für welche Werbetreibenden ist das interessant?
Besonders relevant dürfte ChatGPT Ads zunächst für Produkte und Dienstleistungen sein, bei denen Recherche, Beratung, Vergleich und Abwägung eine wichtige Rolle spielen – beispielsweise E-Commerce, Consumer Electronics, Travel oder Software.
Der interessante Unterschied zur klassischen Suche: Nutzer können ChatGPT sehr detailliert erklären, was sie erreichen möchten, welche Anforderungen sie haben und welche Einschränkungen bestehen. Dadurch entsteht ein vergleichsweise umfangreicher Entscheidungskontext, innerhalb dessen eine passende Anzeige ausgespielt werden kann.¹
Was zeigen die ersten Erfahrungen aus den USA?
Ganz am Anfang steht der Kanal nicht mehr. OpenAI startete den US-Test am 9. Februar 2026 und hat das Produkt innerhalb der vergangenen sechs Monate deutlich ausgebaut. Neben dem anfänglichen CPM-Modell kamen unter anderem CPC und Conversion-Optimierung, Geo-Targeting, Custom Audiences sowie Messmöglichkeiten über OpenAI Pixel und Conversions API hinzu. Nach Angaben von OpenAI haben mittlerweile Zehntausende Werbetreibende ChatGPT Ads genutzt.¹
Ein erster veröffentlichter Case kommt vom US-Elektronikhändler Newegg. Das Unternehmen kombiniert dauerhaft laufende Produktfeed-Kampagnen mit saisonalen CPC-Kampagnen und versucht damit insbesondere Nutzer während ihrer Produktrecherche und Entscheidungsfindung zu erreichen. Nach Angaben von Newegg und OpenAI erzielten die Kampagnen über einen Zeitraum von 28 Tagen einen ROAS von 3. Während der zweiwöchigen Fantastech-Sale-Kampagne lag der ausgewiesene ROAS bei 7. Newegg berichtet zudem, dass über ChatGPT vermittelte Besucher im Vergleich zu anderen Kanälen häufiger konvertierten und einen Kauf abschlossen.⁶
Diese Ergebnisse sind interessant, aber noch kein allgemeiner Benchmark. Es handelt sich um einen von OpenAI veröffentlichten Kunden-Case; belastbare Erfahrungswerte über unterschiedliche Branchen und Kampagnentypen müssen sich erst entwickeln.
Wie funktioniert der Self-Service für Werbetreibende und Agenturen?
Mit der Öffnung des OpenAI Ads Managers können Werbetreibende in Deutschland ihre ChatGPT-Ads-Kampagnen inzwischen selbst aufsetzen und steuern. Auch Agenturen können die Kampagnen ihrer Kunden über die Plattform betreuen.⁷
Dabei gilt weiterhin: Für jeden Werbetreibenden ist ein eigenes Advertiser-Konto erforderlich. Der Account wird mit den Daten des werbenden Unternehmens eingerichtet und durchläuft vor der Freischaltung einen Verifizierungs- und Prüfprozess. OpenAI verlangt für Ads derzeit eine Unternehmensverifizierung. Agenturen und weitere Teammitglieder können anschließend in das jeweilige Werbekonto eingeladen werden.⁷
Über den Ads Manager lassen sich anschließend unter anderem Kampagnen und Anzeigengruppen anlegen, Budgets und Gebote definieren, Context Hints hinterlegen, Zielgruppen und geografische Aussteuerungen bestimmen sowie Anzeigen verwalten und Kampagnenergebnisse auswerten.
Für größere Kampagnenstrukturen bietet OpenAI zudem Möglichkeiten zum Bulk-Upload, während für E-Commerce-Anbieter auch Product Feed Campaigns zur Verfügung stehen. Produktkataloge können dabei als Grundlage für Anzeigen genutzt werden, um relevante Produkte passend zum jeweiligen Nutzungskontext auszuspielen.
Für Unternehmen bedeutet der Deutschlandstart deshalb vor allem: Jetzt beginnt die Lernphase. Durch den Self-Service sinkt die Einstiegshürde und erste Tests können deutlich einfacher umgesetzt werden.
Welche Entscheidungssituationen sind für die eigene Marke relevant? Wie sollten Context Hints, Anzeigen und Landingpages zusammenspielen? Welche Kampagnenziele und Gebotsmodelle funktionieren? Und welchen inkrementellen Beitrag kann ChatGPT innerhalb des bestehenden Media-Mixes leisten?
Aus Sicht von JOM ist ChatGPT Ads deshalb zunächst weniger „ein weiterer Kanal im Mediaplan“ als ein neues Experimentierfeld an der Schnittstelle von Intent, Kontext, Kreation und Performance.
Als unabhängige Mediaagentur sehen wir unsere Aufgabe dabei insbesondere darin, den neuen Kanal nicht isoliert zu betrachten. Entscheidend wird sein, ChatGPT Ads im Zusammenspiel mit Search, Social und weiteren digitalen Kanälen zu testen und zu bewerten – und herauszufinden, wo tatsächlich zusätzlicher Mediawert entsteht.
Sie möchten wissen, ob ChatGPT Ads für Ihre Marke sinnvoll sind oder eine erste Testkampagne aufsetzen? Sprechen Sie uns gerne an.
Quellen
1. OpenAI, 24.08.2026: ChatGPT Ads wird in Europa ausgeweitet – Deutschlandstart, europäische Märkte, Entwicklung der Werbeplattform und bisherige Nutzung.
https://openai.com/de-DE/index/chatgpt-ads-expands-across-europe/
2. OpenAI Help Center: Anzeigen in ChatGPT – Platzierung, Trennung von Ads und Antworten, Datenschutz und Signale der Anzeigenauswahl.
https://help.openai.com/de-de/articles/20001047-ads-in-chatgpt
3. OpenAI Help Center: Anzeigengruppen für ChatGPT Ads erstellen – Funktionsweise und Best Practices für Context Hints.
https://help.openai.com/de-de/articles/20001211-create-ad-groups-for-chatgpt
4. OpenAI Help Center: Kampagnen für ChatGPT Ads erstellen – Kampagnenstruktur, CPM, CPC, oCPC, Geo-, Plattform- und Audience-Steuerung.
https://help.openai.com/de-de/articles/20001210-create-campaigns-for-chatgpt
5. OpenAI Help Center: Set up Custom Audiences for your Campaign – Custom Audiences sowie Inclusion, Exclusion und Bid Adjustments.
https://help.openai.com/en/articles/20001346-set-up-custom-audiences-for-your-campaign
6. OpenAI Ads, 17.08.2026: Newegg reaches PC builders with product feed ads – Newegg Case Study und ausgewiesene Kampagnenergebnisse.
https://ads.openai.com/de-DE/customers/newegg
7. OpenAI Help Center: Ads Manager Beta Account Setup und Ads Manager Availability – Advertiser Accounts, Unternehmensverifizierung, Agentur-/Teamzugänge und Verfügbarkeit des Self-Service.
https://help.openai.com/de-de/articles/20001213-ads-manager-beta-account-setup
https://help.openai.com/en/articles/20001245-ads-manager-availability